Vorlesung:

Einführung in die Medizinethnologie
(„Gesundheit + Demographie I“)

Sommersemester 2007

Dr. Peter van Eeuwijk (pietve@access.unizh.ch)
Universität Zürich, Ethnologisches Seminar

 

Diese Veranstaltung ist als Einführung in das Gebiet der Medizinethnologie aufgebaut. Die Vorlesung führt dabei in verschiedene Problemfelder dieses ursprünglich in den USA entwickelten Fachgebietes, das heute weltweit – nicht nur in der Ethnologie selbst – auf grosses Interesse stösst. Die Geschichte und die wissenschaftliche Grundlagen der Medizinethnologie sowie ihre Positionierung im Gesundheitsbereich und der ‚Kultur‘-Begriff aus einem medizinethnologischen Verständnis bilden den Einstieg in dieses Gebiet. Die Veranstaltung gliedert sich in einem weiteren Schritt in drei wichtige aktuelle Forschungsperspektiven innerhalb der Medizinethnologie: Kranksein/Gesundsein als A) kulturelle Konstruktion, B) als sozialer Prozess und C) als gesellschaftliche Veränderungen und globale Vorgänge.

Verschiedene grundlegende Begriffe, Konzepte und Theorien der Medizinethnologie, die sowohl im europäisch-nordamerikanischen Kontext als auch in nichtwestlichen Kulturen von Bedeutung sind, wie die Krankheit-Kranksein-Unterscheidung, emische Körpervorstellungen und ‚illness concepts‘, der Ansatz der Erklärungsmodelle, der Medizinsysteme und des medizinischen Pluralismus sowie der Drei-Gesundheitssektoren-Ansatz von Kleinman sind Beispiele für kulturelle Konstruktionen (A). Der Bereich der sozialen Prozesse (B) umfasst zum Beispiel die Stufenmodelle von Krankheitsverhalten, ‚Therapy Management Groups‘, Pflegesysteme und die soziale Krankenrolle. Die gesellschaftlichen und globalen Veränderungen (C) schliessen etwa salutogenetische Sichtweisen (Ausrichtung auf Gesundheit und Ressourcen) sowie ‚Health Transitio‘ (weltweiter demographischer und epidemiologischen Wandel mit ‚change of lifestyle‘ und Urbanisierung) und aktuelle Ansätze zu Vulnerabilität und damit verbundene Felder wie ‚Alte, Alter und Altern‘, ‚Migration und Gesundheit‘, ‚Urban Health‘ und ‚Mental Health‘ sowie auch HIV/AIDS in nichtwestlichen Kulturen mit ein.

Diese Vorlesung ist als Einführung innerhalb eines mehrsemestrigen Zyklus zu Medizinethnologie gedacht. Es können in dieser Veranstaltung Semesterarbeiten geschrieben werden.

Einführende Literatur:

  • Greifeld, Katarina (Hrsg.). 2003. Ritual und Heilung: eine Einführung in die Medizinethnologie. Berlin: Reimer. (Ethnologische Paperbacks). [ESZ 750: 290]
  • Helman, Cecil G. 2000. Culture, Health and Illness. London: Arnold (4th Edition). [ESZ 750: 272 Ed. 4]
  • Janzen, John M. (Ed.). 2001. The Social Fabric of Health: An Introduction to Medical Anthropology. New York: McGraw-Hill. [ESZ 750: 273]
  • Lux, Thomas (Hrsg.). 2003. Kulturelle Dimensionen von Medizin. Ethnomedizin – Medizinethnologie – Medical Anthropology. Berlin: Reimer. [ESZ 750: 266]
  • Strathern, Andrew and Pamela J. Stewart. 1999. Curing and Healing: Medical Anthropology in Global Perspective. Durham (N.C.): Carolina Academic Press. [ESZ 750: 274]
  • Whitaker, Elizabeth D. (Ed.). 2006. Health and Healing in Comparative Perspective. Upper Saddle River (N.J.): Pearson Prentice Hall. [ESZ 750: 316]