Hauptseminar:

Medizinethnologie: aktuelle Felder und Ansätze

Sommersemester 2009

Dr. Peter van Eeuwijk (peter.vaneeuwijk@unibas.ch)
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i.Br., Institut für Völkerkunde

 

Modul: Ethnologische Sachgebiete: Interkulturalität 10 ECTS-Punkte

Diese Veranstaltung ist sowohl als eine kürzere generelle Einführung als auch als eine thematische Vertiefung in das noch relativ junge Gebiet der Medizinethnologie aufgebaut. In einem ersten (kürzeren) Teil bietet das Hauptseminar einen Ein- und Überblick über die bedeutendsten jüngeren Schulen und deren wichtigste Ansätze innerhalb der Medizinethnologie. Der Blick auf die kulturellen, sozialen und politischen Dimensionen von Gesundheit und Krankheit – sowohl im europäisch-nordamerikanischen Kontext als auch in nichtwestlichen Kulturen – am Ende der 1980er Jahre bedeutete eine Abkehr von der fast ausschliesslich lokal verorteten Ethnomedizin. Dieser Perspektivenwechsel öffnete zugleich das Feld von ‚globaler Gesundheit‘ und gesamtgesellschaftlichen Gesundheitstransformationen, die Netzwerke von weltweiten, nationalen und lokalen medizinischen ‚Landschaften‘ auf dynamische Weisen umfassen. Wir befassen uns dabei beispielsweise mit der Schule der ‚Critical Medical Anthropology‘ und den Ansätzen von ‚Global Health‘. Neue und neuere Ansätze wie etwa ‚Gesundheit im Wandel‘ (‚Health Transition‘), Gesundheit und Salutogenese, ‚Vulnerability and Resilience‘, ‚Political Economy of Health‘ und Globalisierung und Gesundheit werden angesprochen. Alle diese Konzepte und Modelle eröffneten und eröffnen neue Perspektiven in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Gesundheit und Krankheit weltweit.

Im zweiten (längeren) Hauptteil des Hauptseminars wenden wir uns ausgesuchten wichtigen und aktuellen Themenfeldern innerhalb der Medizinethnologie zu. Sie lassen sich aufgrund einer grossen Literaturfülle an konkreten Anwendungen aus allen Kontinenten darstellen. Die Themenwahl orientiert sich inhaltlich an den drei wichtigen Forschungsperspektiven innerhalb dieses Fachgebietes: Krankheit/Gesundheit als A) kulturelle Konstruktion, B) als sozialer Prozess und C) als Folge gesellschaftlicher Veränderungen und globaler Vorgänge. Diese Bereiche umfassen konkrete Themen wie zum Beispiel ‚Migration und Gesundheit‘, ‚Die Konstruktion und Repräsentation des Körpers‘, ‚Women, Gender and Health‘, ‚Nutzung von Komplementär- und Alternativmedizin‘, ‚Alte, Alter, Altern und Gesundheit‘, ‚HIV/AIDS-SIDA in Ländern des Südens‘, ‚Urban Health: eine neue Herausforderung‘ und ‚Mental Health: die vernachlässigte Dimension‘.

Ziel der Veranstaltung ist das Erlangen A) eines ersten vertieften Verständnisses bezüglich grundlegender neuerer Ansätze, Modelle und Konzepte in der Medizinethnologie und B) eines Überblickes über aktuelle und wichtige Themenfelder und deren kritischen Diskurse und Debatten innerhalb dieses Fachgebietes.

Einführende Literatur/Handbücher:

  • Greifeld, Katarina (Hrsg.). 2003. Ritual und Heilung: eine Einführung in die Medizinethnologie. Berlin: Reimer. (Ethnologische Paperbacks).[Frei 2: 1632/50; LB 73/8601]
  • Helman, Cecil G. 2000. Culture, Health and Illness. London: Arnold (5th Edition). [Frei 2: 1632/53; nur ältere Ausgabe von 2001 erhältlich]
  • Janzen, John M. (Ed.). 2001. The Social Fabric of Health: An Introduction to Medical Anthropology. New York: McGraw-Hill. [Frei 2: 1632/54]
  • Lux, Thomas (Hrsg.). 2003. Kulturelle Dimensionen von Medizin. Ethnomedizin – Medizinethnologie – Medical Anthropology. Berlin: Reimer. [Frei 2: 1632/52; GE 2004/8398]
  • Strathern, Andrew and Pamela J. Stewart. 1999. Curing and Healing: Medical Anthropology in Global Perspective. Durham (N.C.): Carolina Academic Press.
  • Whitaker, Elizabeth D. (Ed.). 2006. Health and Healing in Comparative Perspective. Upper Saddle River (N.J.): Pearson Prentice Hall. [ESZ 750: 316]
  • Winkelman, Michael. 2009. Culture and Health. Applying Medical Anthropology. San Francisco: Jossey-Bass.

Erforderlich für die erfolgreiche Teilnahme und für den Erhalt der Ergänzungs- und Prüfungsleistung sind:

  • regelmässige Teilnahme
  • Pflichtlektüre
  • Abfassen eines Stundenprotokolls
    Kurzreferat (mit Handout und mit schriftlicher Ausarbeitung des Referats mit Abgabetermin)
  • mündliche Prüfung