Hauptseminar:

Männlichkeit(en) und HIV/AIDS:
Neue Ansätze der Gender-Forschung

Sommersemester 2004

Dr. des. Hansjörg Dilger (hansjoerg.dilger@berlin.de)
Freie Universität Berlin, Institut für Ethnologie


In sozialwissenschaftlichen Debatten über AIDS im subsaharischen Afrika war die Kategorie ‘Männlichkeit’ lange Zeit durch ihre Abwesenheit gekennzeichnet: In Abgrenzung zur Diskussion über HIV/AIDS im westlichen Kontext – die in den Anfangsjahren der Epidemie eng mit dem Thema Homosexualität verbunden war – konzentrierten sich Studien über AIDS in Afrika viele Jahre auf die Situation von Frauen; sie thematisierten die Rolle von Männern eher indirekt und vermittelten dabei ein relativ einseitiges Bild von Männern, die wegen der ihnen zugeschriebenen sozialen und kulturellen Dominanz als ‘treibende Kraft’ in der AIDS-Epidemie bezeichnet wurden.
Mit der von UNAIDS ausgerufenen Welt-AIDS-Kampagne Men make a Difference (2000) rückten Konzeptionen von Männlichkeit und männlicher Sexualität stärker in den Fokus sozialwissenschaftlicher Forschung über Geschlecht und AIDS. In diesem Seminar wollen wir zum einen Studien lesen, die hervorhoben, dass kulturell geprägte Männlichkeitsideale Männer in ihrer Sexualität erheblich unter Druck setzen und damit ein ‘Risiko’ für ihre Gesundheit darstellen können. Zum anderen soll der anthropologischen Literatur über die Konstruktion von Männlichkeit und männlicher Sexualität Raum gegeben werden: Neuere Texte über Männer und AIDS schließen selten an die neueren Erkenntnisse der Gender- und Männlichkeitsforschung an; wir wollen daher der Frage nachgehen, wie ethnologische Debatten über Geschlecht – die sich heute vor allem auf die Handlungsspielräume von Männern und Frauen sowie auf Differenzen innerhalb von Geschlechterkategorien konzentrieren – in Einklang mit den meist anwendungsorientierten Studien über AIDS und Geschlecht bzw. Männlichkeit gebracht werden können.
Der regionale Schwerpunkt des Seminars liegt auf dem südlichen und östlichen Afrika – in der Lektüre der neueren Gender-Literatur werden aber auch Texte mit anderem regionalen Fokus berücksichtigt.