Haupseminar: Theorien zur Rituellen Heilung

Wintersemester 2006/07

Florian Besch, Prof. William Sax, PhD (fbesch@sai.uni-heidelberg.de)
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Südasien-Institut

Voraussetzungen / Organisatorisches Scheinerwerb durch regelmässige Teilnahme und Mitarbeit, Essay zu jeder Sitzung, ein Kurzreferat (inkl. Thesenpapier) und Klausur (Einzelheiten in der Vorbesprechung).
Anmeldung an: fbesch@sai.uni-heidelberg.de

Im Mittelpunkt der Untersuchungen zu ritueller Heilung steht die Frage nach der Wirksamkeit von Ritualen. Wer oder was ist daran beteiligt und welcher Mechanismus wird darin wirksam? Im Seminar werden drei grosse Ansätze extrahiert und bearbeitet. Der erste Ansatz argumentiert, dass Rituale physisch auf den Körper des/r Patienten/in einwirken, und verfolgt daher eine mechanistische, zum Teil biomedizinische, Argumentationslinie (z.B. Levi-Strauss). Andere Anthropologen, wie z.B. Csordas, gehen in Kultur-phänomenologischer Weise davon aus, dass Rituale auf die individuelle Psyche des/r Patienten/in wirken, und daher das Bewusstsein verändern. Der dritte Ansatz betont dem entgegen die kollektive oder soziale Seite von Ritualen. Das Kranksein eines Individuums wird als Ausdruck von Spannungen im sozialen Umfeld (Familie, Gruppe, Dorf) verstanden und ein Ritual sorgt für eine Reorganisierung der interpersonellen Verhältnisse. Die Wirkung betrifft insofern nicht nur den/die Patienten/in, sondern die gesamte Gruppe (z.B. Kakar, Skultans). In diesem Hauptseminar werden entsprechend dieser drei theoretischen Ansätze die grundlegenden Werke zu rituellen Heilung gelesen und analysiert.